themeforest_requirements
19
Jul
13

Mehr ist nicht mehr – das Feature-Wettrüsten auf Themeforest

Verfasser: Claudio Schwarz

Erwartete Lesezeit: 3 Minuten, 54 Sekunden

Themeforest ist für viele Leute, welche WordPress nutzen die erste Anlaufstelle für Themes. Darum hat Themeforest vor knapp einer Woche Guidelines herausgegeben, welche definieren wie bei WordPress Themes sowohl der Code (PHP, HTML, CSS, JS) als auch der Umfang der Features aussehen sollen. Dies “um allen Käufern möglichst das gleiche Erlebnis zu bieten”. Designer, welche Themes bei Themeforest anbieten, haben nun 2 Monate Zeit ihre Themes gemäss den Vorgaben anzupassen.

Das Wettrüsten der Theme Features

Den Schritt zu Code Guidelines begrüsse ich. Was mich allerdings stört, ist das Wettrüsten mit den Theme Features. Klickt man sich durch die beliebtesten WordPress Themes, wähnt man sich in einer Feature Orgie. Das Theme Avada zum Beispiel preist für die Version 3.0 gar über 100 neue Features an. Es werden vier (!) verschiedene Slider mitgeliefert (die nebenbei alle von je einem anderen Entwickler stammen). Wofür braucht man vier verschiedene Slider? Warum entscheidet man sich nicht einfach für einen? Dem User wird an dieser Stelle suggeriert, dass mehr Features ein besseres Theme sind.

Problemzone Shortcodes

Ausserdem basieren viele Themes auf Shortcodes. Shortcodes sind zwar bequem und schnell eingebaut, aber was ist, wenn man das Theme wechselt? Alle Shortcodes gehen verloren. Eigentlich wäre es besser die Shortcodes in ein Plugin auszulagern, welches auch nach einem Themewechsel noch aktiviert ist.

Viele Features werden nicht genutzt

Angenommen ich hätte mir das Avada Theme gekauft und ich wäre ein blutiger WordPress Anfänger. Wie würde ich mich als User fühlen, wenn ich vier verschiedene Slider zur Auswahl und Einstellungsmöglichkeiten jenseits von Gut und Böse hätte? Überfordert.

Und wie würde ich mich als langjähriger WordPress Benutzer fühlen? Überfordert. Mit dem kleinen Vorteil, dass ich im Code nachsehen kann, wo jetzt welche Einstellungen sein könnten. Und manchmal hilft nicht einmal das. Dann muss auch ich in den zig Einstellungstabs vom Theme nach exakt der Einstellung suchen, die ich jetzt benötige.
Doch eigentlich hatte ich das Theme doch nur gekauft, weil es gut aussah und ich dachte, es wäre einfach bedien- und anpassbar. Womit wir beim nächsten Problem sind.

Oft fehlen bei den gekauften Themes eine gute und saubere Dokumentation. Die Kommunikation mit den Themeautoren ist oft langwierig und meistens nur via Forum möglich. Kleinste Anpassungen an gekauften Themes verursachen oft viel Arbeit. Dies ist natürlich die Kehrseite der Medaille, hat man für das Theme oft nicht mehr als 60 bis 70 Dollar ausgegeben. Für ein extra angefertigtes Template hätte man an der Stelle schon einiges mehr bezahlt. Dafür kriegt man dann auch genau das, was man benötigt (hoffentlich zumindest).

Aber das Theme sah doch in der Demo so gut aus!

Gut möglich und auch wahrscheinlich. Aber wer hat schon beim Kauf des Themes bedacht, dass höchstwahrscheinlich keine Bilder in der gleichen Qualität wie bei der Demo vorhanden sind (wo nebenbei auch der Titel des Blogbeitrages auch haargenau auf dem Bild platziert wurde)? Bei der Demo werden nicht nur die Bilder optimal dargestellt, auch die Fonts, Design- und Gliederungs-Elemente sowie Textlängen sind oft ausschliesslich in der Vorlage perfekt.
Ein solcher Theme-Kauf kann aus meiner Sicht nur in den seltensten Fällen wirklich aufgehen.

Worauf soll ich also beim Theme Kauf achten?

  • Langfristig denken!
    • Was passiert bei einem allfälligen Wechsel des Themes?
    • Gehen die vielen Shortcodes, die mir das Theme geboten hat flöten?
  • Unterstützt das Theme Responsive Design?
    • Will heissen: passt sich das Design an die jeweilige Bildschirmgrösse (Handy, Tablet, Desktop) an?
  • Ist das Theme für Retina Geräte optimiert?
  • Ist das Theme übersetzt?
  • Habe ich die erforderlichen Bilder, damit das Theme auch die gleiche Wirkung wie in der Demo entfalten kann?
  • Brauche ich wirklich alle Features, welche mir das Theme anbietet oder ist weniger eventuell doch mehr?
  • Erspare ich mir mit einem auf mich zugeschnittenen Theme eventuell mehr Ärger? Dies natürlich auf Kosten von höheren Ausgaben.

Einige Gedanken zum Schluss

Auf meiner ewigen To Do Liste steht immer noch die Veröffentlichung eines eigenen WordPress Themes. Gegen die bei Themeforest angebotenen Themes werde ich punkto Features keine Chance haben, weil schlussendlich der Grossteil der Käufer immer noch denkt, dass mehr Features ein besseres Theme ausmachen.
Ein gutes Theme beinhaltet aus meiner Sicht aber nicht möglichst viele Features. Ein gutes Theme sollte diejenigen Funktionalitäten haben, die WordPress von Haus aus auch schon unterstützt. Das Standard Template von WordPress (Twenty Twelve/Twenty Thirteen) geht sicher in die richtige Richtung.

Auf jeden Fall: das Wettrüsten sollte ein Ende haben und die Themeautoren sollten sich auf die wesentlichen WordPress Funktionen beschränken.

Kommentare

  1. Klasse zusammengefasst, Claudio! Gerade gestern hatte ich das Thema im Chat mit zwei Kollegen: worauf sollten Anwenderinnen und Anwender beim Theme-Kauf achten? Die „Featuritis“ vieler kommerzieller Themes stand da ganz oben auf der Negativ-Seite der Liste.

    Für essenziell halte ich, dass es an irgendeinem Punkt die Erkenntnis auf Anwenderseite gibt: Hey, die angebliche Gestaltungsfreiheit, die ich mir von diesem Feature-Reichtum verspreche, hat einen hohen Preis, den ich selber zahle! (Zusatzaufwand beim Theme-Wechsel, aber häufig auch Performance-Pobleme meiner Website und damit u.U. schlechteres Google-Ranking.)

    Wer sich die Mühe macht, eigene Zeit und Nerven in Euros umzurechnen, wird möglicherweise ziemlich schnell bei der Erkenntnis landen, dass bei einem Theme mit weniger Features, aber sauberer Code-Basis, zwei Stunden Arbeit von einem CSS-Profi für individuelle Anpassungen gar nicht wirklich teuer sind.

    • Sehr schöne Ergänzung von dir. Ich mag das Wort “Featuritis”. :)

      Auch ein guter Punkt bezüglich angeblicher Gestaltungsfreiheit. Die fast unendlichen Möglichkeiten an Einstellungen wirken eher hemmend, weil man gar nicht mehr weiss, was man jetzt einstellen soll. Geschweige denn wo.

  2. Ich gebe dir in jedem einzelnen Punkt recht. Guter Beitrag, der es verdient, geteilt zu werden.

    Für ein neues Projekt war ich auch auf der Suche nach einem passenden Theme. Nach viel schauen (Optik), Analyse (Code) und natürlich Vergleichen der einzelnen Themes habe ich mich für das Standardtheme entschieden und es selbst meinen Bedürfnissen angepasst.

    Ich bin kein Profi-Coder was WordPress angeht, es hat also ein bisschen gedauert, aber dafür habe ich jetzt das, was ich will.

  3. Ein sehr schöner Beitrag. Hab mir bei Themeforest auch schon ein Theme gekauft, wo ich mich für in die Tonne kloppen könnte :(

    • Auch ich habe da schon Themes gekauft. Allerdings ist das auch schon länger her. Damals hat das mit den Features aber angefangen und sich ausgebreitet. Jeder Themeautor wollte natürlich den anderen (Themeautor) mit einem Feature mehr ausstechen. Dieses gegenseitige Hochschaukeln hat leider bis heute angehalten und definitiv negative Züge angenommen.

  4. Du sprichst mir aus der Seele. Jeder 2. Kunde von mir kommt überhaupt nur auf mich zu, weil ein featureüberladenes Theme (meist Portfoliothemes) gekauft wurde und es für sie nicht möglich ist diese zu durchschauen, geschweige denn einzurichten.

    Selbst mit Beispieldaten sehen die Seiten häufig trotzdem anders aus als in der Demo. Die verquerten Grid Content Plugins suggerieren leichtes Erstellen von neuem Inhalt, sind aber am Ende nur kompliziert und nur für Weberfahrene User zu gebrauchen.

    Klar verdiene ich damit Geld, aber ehrlich gesagt macht es mir auch keinen Spaß immer wieder diese Themes durchdenken zu müssen und umzubiegen.

    • Ich bin auch nicht zwingend Fan von zu vielen Plugins. Ein Plugin, was ich aber definitiv zur Gestaltung von Inhalten empfehlen kann, ist der Visual Composer. Mit ihm können selbst unerfahrene User Inhalte in Seiten, Beiträgen oder Custom Post Types gestalten. Mit Drag & Drop lassen sich zusätzlich die Elemente herumschieben, so wie man sie eben gerade braucht. Ausserdem kann man Inhalte auch duplizieren. Als Abrundung ist das ganze auch noch Responsive.

      Glaub’ mir, ich spreche selten Empfehlungen für Plugins aus. ;)

  5. Toll zusammengefasst! Erst die Woche hatten wir so ein ähnliches Problem mit einem Theme von themeforest.
    Auch der Tipp mit der Vorschau und den Bildern ist viel Wert. Denn oft sind ist Vorschau selten so umsetzbar.
    VG Markus

  6. Die Featuritis wird oft durch die Kunden ausgelöst. Ich habe z.B. ein Plugin bei github, es hat nicht lange gedauert bis der erste einen Sonderwunsch hatte. Wenn man Geld verdienen will, neigt man dazu jeden Kunden zufrieden zu stellen und ihm seinen Sonderwunsch zu erfüllen.

    Auf der anderen Seite sollen die Themes untereinander kompatibel sein. Theme A mit Slider X, Themes B mit Slider Y. Wenn die Kunden von A nach B wechseln, sollten sie ihren gewohnten Slider wiederfinden. Das gleiche gilt für die Shortcodes.
    1.000 Kunden, 1.000 Wünsche und dann soll noch alles untereinander kompatibel sein. Das der einzelne Kunde mit den 995 Features die sich die anderen Kunden gewünscht haben nichts anfangen kann, nimmt man dann halt billigend in kauf.

    • Suffusion hat das ShortCodeProblem so gelöst: die Funktionalität wurde in ein Plugin ausgelagert und damit kann das Theme gewechselt werden. Das ist flexibel wie es sein sollte…

      Und: Suffusion hat auch mindestens 100 Features oder mehr, aber:

      es ist kostenlos! Gibts im WordPress-Themen-Bereich

    • @Ralf ich lese gerade von den Gründern von 37Signals ein grossartiges Buch. “Meetings sind Gift” heisst es. Und da wird genau das Gleiche beschrieben. Und es wird sogar empfohlen, auf solche “Tipps” gar nicht einzugehen und aus dem Bauch heraus zu entscheiden, ob ein weiteres Feature jetzt das Produkt wirklich besser macht. Sie hätten lieber solche Kunden, die ihre Tools (Basecamp, Highrise) wirklich cool fänden, als solche, die rumnörgeln.

      @Connie: Danke für den Tipp. Ich habe mir das Theme einmal angesehen. Wow, ich fühle mich zum zweiten Mal diese Woche total erschlagen von Einstellungsmöglichkeiten.

      2005 als ich mein erstes WordPress Blog installierte (Version 1.5), gab es von Haus aus noch nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten wie bei der aktuellen Version. Natürlich ist WordPress in dieser Zeit gewachsen und hat einige Neuerungen mit sich gebracht. Wenn ich dann aber noch zusätzlich über 100 Theme Einstellungen zur Verfügung habe, weiss ich gar nicht mehr, wo oben und unten ist.

      Für viele scheint dieses Featuritis, wie es Caspar genannt hat, genau das Richtige zu sein. Ich muss aber sagen, mein Ding ist es leider nicht. Ich fühle mich bei zugeschnittenen Themes auf ein Projekt einfach mehr zu Hause.

  7. Hab gerade die Tage ein neues Design gekauft und implementiert. 3 Tage (Nach-)Arbeit waren nötig um es anzupassen, zu entschlacken und halbwegs schnell zu bekommen.

    Wenn ich Zeit in Geld umrechne hätte ich mir dafür 2 Designs bauen lassen können.

    Das passiert mir so in der Form nicht noch einmal, denn auch jetzt nach 3 Tagen ist das Ergebnis noch immer nicht so wie ich es mir erhofft hatte. Verschenkte Zeit und verschenktes Geld.

    • Stimme ich voll zu, ich nehme unterdessen lieber ein Theme mit weniger Funktionen und baue ein zwei Dinge selbst ein (BBcodes in Plugins, zB) anstelle eines >100-Feature-Themes, an dem ich für die Rohkonfiguration bereits 2 Tage habe…

  8. Du Claudio, wenn du das grad so ansprichst. Wir brauchen bei Blogbusters ein neues Theme :-)

  9. Diesen Trend muss ich leider auch beobachten. Neben den ganzen überdimensionierten Features finde ich die grausame Anpassungsmöglichkeiten beunruhigend. Oft möchte man kleinere Änderungen vornehmen und stolpert anschließend über unsinnigste HTML Strukturen. Zum Glück gibt es die PSD Datei mit und daraus code ich auf Basis von Twenty twelve mein eigenes Theme mit Standard Komponenten die ich überall einsetze.

    Marcus

  10. Du sprichst mir aus der Seele. Die Krux an der Sache ist, dass man sich als Entwickler diesem Sog nicht einfach entziehen kann – weil es wie du selbst schreibst ja mittlerweile erwartet wird.

    Die von dir angesprochene Thematik ist aber lange nicht die einzige Problematik. Der Preisverfall der damit einhergeht ist nicht zu unterschätzen. Immer mehr Features und dann noch günstigere Preise – klingt schon komisch, oder? Und dann kommen die Anbieter aus den Schwellenländern und toppen deinen Preis noch einmal um 50%.

    In ein paar Jahren wird die westliche und insbesondere auch die deutsche Webdesign-Industrie, mit ihrer ganzen Bürokratie und exorbitanten Verwaltungskosten ganz schon blöd aus der Wäsche schauen.

    Schön das du die Diskussion angestoßen hast – da schwelt noch ganz schön viel mehr unter der Oberfläche.

    Beste Grüße
    Yannick Spang

  11. Wenn ich mir ein neues Theme kaufen will, dann schaue ich auf newone.org. Da kann man ältere bis aktuelle Versionen des Themes herunterladen und ausprobieren, bevor ich es dann über den Link auf Themeforest, etc. kaufe, der über den Downloadlinks steht.

  12. Hervorragender Post! Ich entwickle selbst WordPress Themes und verkaufe diese bei Themeforest. Teilweise wurden meine Themes schon in einer Kategorie abgelehnt und in einer anderen angenommen – ohne das ich den Code verändert habe.

    Wenn ich mir dann allerdings Themes z.B. für Kirchengemeinden anschaue unterscheiden die sich vom Code nicht wirklich von Agenturthemes. Nur das die “Portfolio Items” hier eben “Messen” sind.
    Durch die Flexibilität der Themes kann man fast jedes Theme für jeden Anwendungsbereich umbauen, allerdings steht man als Anfänger tatsächlich oft vor ellenlangen Formularen an Eingabefeldern und weiß nicht welches Element nun die Farbe oder Schriftgröße ändert wenn man hier die Einstellung anpasst. Eine gute Doku ist daher unverzichtbar.

    Wer günstig kauft muss letztendlich halt doch selbst Hand anlegen.

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