Feeds in Kombination mit einem Feed Reader sind für mich bis heute ein äusserst dankbares Werkzeug. Ich muss das Internet nicht laufend nach Neuigkeiten in meinen Interessensgebieten absuchen, denn die Informationen kommen direkt zu mir. Gerade im persönlichen Wissensmanagement ist das ein grosser Vorteil: Ich entscheide selbst, welche Quellen relevant sind, und bin nicht auf Algorithmen von sozialen Netzwerken oder Suchmaschinen angewiesen.

Feeds? Früher waren die kleinen orangen Icons auf vielen Webseiten sofort sichtbar. Heute muss man oft etwas genauer hinsehen. Das ändert aber nichts daran, dass RSS und Atom Feeds nach wie vor zu den am meisten unterschätzten Technologien im Web gehören.

Das digitale Zeitungs Abonnement

Wer einen Feed abonniert, nutzt im Grunde ein digitales Zeitungs Abonnement. Sobald eine Webseite einen neuen Beitrag veröffentlicht, erscheint dieser automatisch im Feed Reader. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man muss seine Lieblingsseiten nicht ständig manuell besuchen, um zu prüfen, ob es etwas Neues gibt. Die Inhalte kommen gesammelt an einen Ort, wo sie gelesen, sortiert, gespeichert oder später weiterverarbeitet werden können.

Gerade für Wissensarbeit ist das enorm hilfreich. Statt sich von Plattform zu Plattform treiben zu lassen, baut man sich seine eigene, thematisch saubere Informationsquelle auf.

«Feeds sind tot»

Diesen Satz höre ich seit Jahren. Und er stimmt noch immer nicht.

Feeds sind nicht tot, sie sind nur unsichtbarer geworden. Viele Webseiten verlinken ihre Feeds nicht mehr prominent. Browser zeigen sie nicht mehr so offensiv an wie früher. Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach kuratierten, verlässlichen und algorithmusfreien Informationsquellen eher grösser geworden.

Für mich als Frontend Entwickler, aber auch ganz allgemein für Menschen, die gezielt Wissen aufbauen wollen, sind Feeds weiterhin ideal. Trends, Werkzeuge, Standards und Best Practices verändern sich laufend. Mit gut gewählten Abonnements bleibe ich auf dem Laufenden, ohne meine Aufmerksamkeit ständig sozialen Netzwerken zu überlassen.

Feeds eignen sich aber nicht nur für Einzelpersonen. Auch Unternehmen können sie für Monitoring einsetzen, etwa um Fachmedien, Konkurrenz, Branchenthemen oder Erwähnungen der eigenen Marke im Blick zu behalten.

Warum Feeds für Wissensmanagement so gut funktionieren

Ein Feed Reader ist mehr als nur ein Lesewerkzeug. Richtig eingesetzt wird er zu einer persönlichen Eingangszentrale für Wissen.

Statt Informationen zufällig zu entdecken, sammelst du sie systematisch. Du bestimmst die Quellen. Du strukturierst sie nach Themen. Und du entscheidest selbst, was lesenswert ist und was nicht.

Das bringt mehrere Vorteile:

  • weniger Ablenkung
  • keine Abhängigkeit von Plattform Algorithmen
  • klarere thematische Trennung
  • bessere Wiederauffindbarkeit von relevanten Artikeln
  • ein bewussterer Umgang mit Informationsflut

Wer mit Notiz Tools, Read it later Diensten oder einem persönlichen Wissenssystem arbeitet, kann Feeds ideal als ersten Eingangskanal nutzen.

Wie man Feeds heute liest

Die Grundidee ist gleich geblieben, die Werkzeuge haben sich etwas verändert. Vor allem die Browser selbst spielen heute eine kleinere Rolle. Stattdessen setzt man meist auf spezialisierte Reader.

Feedly

Feedly ist nach wie vor einer der bekanntesten und einfachsten Einstiege in die Welt der Feeds. Der Dienst funktioniert im Browser und auf mobilen Geräten und eignet sich gut, wenn man seine Quellen an einem Ort bündeln möchte.

Praktisch ist, dass Feedly mit der Erweiterung Feedly Mini vorhandene Feeds auf einer besuchten Seite erkennen kann. So lassen sich Quellen direkt übernehmen, ohne lange im Quelltext oder in der Navigation der Webseite suchen zu müssen.

Feedly ist für viele der unkomplizierte Startpunkt, vor allem dann, wenn man einfach lesen und ordnen möchte.

Inoreader

Wer mehr Kontrolle, Regeln, Filter und Automatisierung möchte, sollte sich Inoreader ansehen. Der Dienst ist besonders interessant für Power User, die viele Quellen beobachten, Inhalte nach Themen organisieren oder Benachrichtigungen für bestimmte Stichworte einrichten möchten.

Gerade für Monitoring und Wissensmanagement im beruflichen Kontext ist das spannend, weil man Informationen nicht nur konsumieren, sondern gezielt verarbeiten kann.

Reeder

Wer im Apple Ökosystem unterwegs ist und eine besonders angenehme Leseoberfläche schätzt, ist mit Reeder weiterhin gut bedient. Reeder ist eine App für iPhone, iPad und Mac und eignet sich vor allem dann, wenn man das Lesen selbst in den Vordergrund stellen will.

Für mich ist Reeder interessant, wenn ich Inhalte bewusst lesen und nicht nur schnell durchscannen möchte.

Thunderbird und Outlook

Im Unternehmensumfeld ist nicht immer ein externer Reader möglich. Dann sind Mail Programme oft die pragmatischste Lösung.

Thunderbird unterstützt Feeds schon lange und eignet sich gut, wenn man E Mail und Feeds an einem Ort verwalten möchte.

Auch das klassische Outlook unter Windows unterstützt RSS weiterhin. Wichtig ist aber: Das neue Outlook unterstützt RSS meines Wissens aktuell nicht. Wer also im Unternehmenskontext mit Outlook arbeiten will, sollte prüfen, welche Outlook Version überhaupt im Einsatz ist.

Feeds finden ist heute etwas mühsamer

Der grösste Unterschied zu früher ist nicht das Format selbst, sondern die Sichtbarkeit. Viele Webseiten bieten weiterhin Feeds an, verlinken sie aber nicht mehr offensichtlich. Das heisst: Man muss manchmal etwas aktiver danach suchen.

Hilfreich sind dabei Browser Erweiterungen oder Reader, die Feeds auf einer Seite automatisch erkennen. Manchmal lohnt sich auch ein Blick auf typische Feed Adressen oder in den Seitenquelltext.

Das klingt komplizierter, ist es im Alltag aber meist nicht. Hat man seine wichtigsten Quellen einmal abonniert, läuft der Rest weitgehend von allein.

So nutze ich Feeds im Alltag

Für mein persönliches Wissensmanagement haben sich ein paar einfache Prinzipien bewährt:

  • Quellen thematisch ordnen, zum Beispiel Frontend, Design, Fotografie oder Branchennews
  • neue Beiträge zuerst grob sichten und nur Relevantes vertieft lesen
  • besonders nützliche Inhalte in ein Notizsystem oder eine Leseliste übernehmen
  • lieber wenige gute Quellen abonnieren als hunderte mittelmässige
  • den Reader regelmässig pflegen und irrelevante Feeds wieder entfernen

Gerade dieser letzte Punkt ist wichtig. Ein guter Feed Reader ist kein Archiv für alles, sondern ein Werkzeug für relevante Informationen.

Fazit

Feeds sind alles andere als tot. Sie sind heute vielleicht nicht mehr so sichtbar wie früher, aber für persönliches Wissensmanagement sind sie noch immer hervorragend geeignet.

Wer Informationen gezielt sammeln, strukturieren und unabhängig von Plattform Algorithmen konsumieren möchte, findet in RSS und Atom Feeds ein erstaunlich modernes Werkzeug. Nicht laut, nicht trendy, aber äusserst effizient.

Vielleicht ist genau das ihr grösster Vorteil.