Ich bin Claudio Schwarz und ich bin Frontend Entwickler aus Zürich. Seit 2005 setze ich in meiner Freizeit WordPress Themes um und habe 2011 unihockey-fotos.ch gegründet.

Titelbild: Claudio Schwarz
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Claudio Schwarz
4 Minuten, 18 Sekunden Lesezeit

Mehr ist nicht mehr – das Feature-Wettrüsten auf Themeforest

Für viele Leute ist Themeforest die erste Anlaufstelle für WordPress Themes. Doch was auf den ersten Blick in den Demos der Themes supercool aussieht, ist in der Praxis dann viel schwieriger umzusetzen und noch wichtiger: anzuwenden.


Durch Guidelines hat Envato zumindest versucht Ordnung in den Code der Themes reinzubringen. Dies „um allen Käufern möglichst das gleiche Erlebnis zu bieten“.

Das Wettrüsten der Theme Features

Den Schritt zu Code Guidelines begrüsse ich. Auch das es Anforderungen gibt, welche einem Theme Herausgeber erfüllen muss, damit er sein Theme überhaupt verkaufen darf.

Was mich allerdings stört, ist die Wettrüsterei bei den Theme Features. Klickt man sich durch die beliebtesten WordPress Themes, wähnt man sich in einer regelrechten Feature Orgie.

Das Theme Avada zum Beispiel preist sich als das meistverkaufte Theme an. Es werden fünf (!) verschiedene Slider mitgeliefert. Dazu gibt es jeden Slider in verschiedensten Variationen.  Jeder Slider stammt von einem anderen Entwickler. Für den Entwickler des Themes bedeutet das bei Updates Zusatzaufwand. Und für den Endbenutzer? Jedes Mal eine potenzielle Fehlerquelle mehr.

Wofür braucht man eigentlich die Auswahl fünf verschiedene Slider? Klar muss man nicht alle nutzen, aber warum entscheidet sich der Theme Entwickler nicht einfach für einen? Dem User wird an dieser Stelle suggeriert, dass mehr Features ein besseres Theme sind.

Problemzone Shortcodes

Ausserdem basieren viele Themes auf Shortcodes. Früher waren diese Shortcodes im Theme verbaut. Inzwischen müssen Theme Entwickler die Shortcodes in Plugins auslagern. Damit wird gewährleistet, dass die Inhalte bei einem allfälligen Theme Wechsel weiterhin erhalten bleiben.

So sieht ein Portfolio Eintrag bei einem CV Theme von yvonneheller.de aus. Wer hier nicht weiss, was er macht, sollte definitiv die Finger von solchen Themes lassen oder alle Shortcodes via Caspar Hübingers Plugin „Avada Kedabra“ deaktivieren.

Viele Features werden nicht genutzt

Jetzt mal angenommen ich hätte mir das Avada Theme gekauft und ich wäre ein blutiger WordPress Anfänger. Wie würde ich mich als User fühlen, wenn ich fünf verschiedene Slider zur Auswahl und Einstellungsmöglichkeiten jenseits von Gut und Böse hätte? Überfordert.

Und wie fühle ich mich als langjähriger WordPress Benutzer? Überfordert. Mit dem kleinen Vorteil, dass ich im Code nachsehen kann, wo jetzt welche Einstellungen sein könnten. Und manchmal hilft nicht einmal das. Dann muss auch ich in den zig Einstellungstabs vom Theme nach exakt der Einstellung suchen, die ich jetzt benötige.

Doch eigentlich hatte ich das Theme doch nur gekauft, weil es gut aussah und ich dachte, es wäre einfach bedien- und anpassbar. Womit wir beim nächsten Problem sind.

Oft fehlen bei den gekauften Themes eine gute und saubere Dokumentation. Die Kommunikation mit den Themeautoren ist oft langwierig und meistens nur via Forum möglich. Kleinste Anpassungen an gekauften Themes verursachen oft viel Arbeit. Dies ist natürlich die Kehrseite der Medaille, hat man für das Theme oft nicht mehr als 60 bis 70 Dollar ausgegeben. Für ein extra angefertigtes Template hätte man an der Stelle schon einiges mehr bezahlt. Dafür kriegt man dann auch genau das, was man benötigt (hoffentlich zumindest).

Aber das Theme sah doch in der Demo so gut aus!

Gut möglich und auch wahrscheinlich. Aber wer hat schon beim Kauf des Themes bedacht, dass höchstwahrscheinlich keine Bilder in der gleichen Qualität wie bei der Demo vorhanden sind (wo nebenbei auch der Titel des Blogbeitrages auch haargenau auf dem Bild platziert wurde)? Bei der Demo werden nicht nur die Bilder optimal dargestellt, auch die Fonts, Design- und Gliederungs-Elemente sowie Textlängen sind oft ausschliesslich in der Vorlage perfekt.

Ein solcher Theme-Kauf kann aus meiner Sicht nur in den seltensten Fällen wirklich aufgehen.

Worauf soll ich also beim Theme Kauf achten?

  • Langfristig denken!
  • Was passiert bei einem allfälligen Wechsel des Themes?
  • Gehen die vielen Shortcodes, die mir das Theme geboten hat flöten?
  • Unterstützt das Theme Responsive Design?
  • Will heissen: passt sich das Design an die jeweilige Bildschirmgrösse (Handy, Tablet, Desktop) an?
  • Ist das Theme für Retina Geräte optimiert?
  • Ist das Theme übersetzt?
  • Habe ich die erforderlichen Bilder, damit das Theme auch die gleiche Wirkung wie in der Demo entfalten kann?
  • Brauche ich wirklich alle Features, welche mir das Theme anbietet oder ist weniger eventuell doch mehr?
  • Erspare ich mir mit einem auf mich zugeschnittenen Theme eventuell mehr Ärger? Dies natürlich auf Kosten von höheren Ausgaben.

Einige Gedanken zum Schluss

Inzwischen habe ich ein eigenes Eltern-Theme auf Bootstrap Basis und ein Child Theme (Ramsy) rausgebracht. Gegen die bei Themeforest angebotenen Themes wird es punkto Features keine Chance haben. Zu viele Käufer denken noch immer, dass mehr Features gleichbedeutend mit einem besseren Theme sind.

Ein gutes Theme beinhaltet aus meiner Sicht aber nicht möglichst viele Features. Ein gutes Theme sollte diejenigen Funktionalitäten haben, die WordPress von Haus aus auch schon unterstützt. Das Standard Template von WordPress (aktuell Twenty Fifteen) geht sicher in die richtige Richtung.

Auf jeden Fall: das Wettrüsten muss ein Ende nehmen und die Themeautoren sollten sich auf die wesentlichen WordPress Funktionen beschränken.