Eigentlich hat schreiben oder bloggen etwas Befreiendes. Es ist wie schreien. Doch eigentlich schreiben wir schon längst nicht mehr das, was wir eigentlich denken. Wir halten uns bewusst zurück, weil wir Angst davor haben, bei der nächsten Jobsuche darauf behaftet zu werden. Weil Google weiss alles.
Wir lassen uns also einengen. Weil wir uns der Gesellschaft anpassen und das perfekte Bild im Netz abgeben wollen.
Wäre es für die Leser nicht viel erfrischender, wenn wir so schreiben, wie uns gerade danach ist? Frei Schnauze quasi. Und dabei müssten wir ja nicht gerade zur Eva Hermann für Arme verkommen.
Einfach mal fluchen, wenns angebracht ist. Wir tun es aber nicht, weil es sich ja nicht gehört. Doch jeder wird sich dabei ertappen, dass er tagtäglich vor sich hin flucht. Wir fressen alles in uns hinein. Bis wir so fett davon sind und total austicken.
In letzter Zeit ertappe ich mich aber immerhin, dass ich wieder ein wenig gegen den Strom schwimme. Und hie und da auch mal so ein Kraftwort verwende. Who cares? Gut, ein Tagebuch ist dann auch nicht zwingend nötig. Wenn manchmal auch spannend zum Mitlesen.
Wir sind wie wir sind. Und sollten so bleiben.
Foto: Axolot
3. August , 2010 um 11:41
Ich habe auch mal geschrieben, was ich denke. Sieh dir die Kommentare an, die Leute vertragens einfach nicht: http://filonia.com/2010/07/11/einmal-freibad-mit-cellulite-bitte/
3. August , 2010 um 11:42
@filonia: ja den Artikel und die Kommentare habe ich auch gelesen. ;)
3. August , 2010 um 12:02
Das ist einer der Gründe, warum ich anonym am blogge bin. Leider geht auch das nicht mehr 100%. Da die eine oder andere Frau nun auch meinen Blog mitliest – und die Beiträge auch sie betreffen könnten ;) Ich habe mir die Zensur also sogar selbst auferlegt…
3. August , 2010 um 12:30
besser ins netz schreiben wies ist als sich nicht darüber äussern und alles in sich hineinfressen.
ich schreib immer wieder mal texte, leg sie zur seite und schau sie mir später nochmals an, ob ich diese veröffentlichen soll oder nicht. oft verschwinden sie wieder, aber das schreiben hat gutgetan
3. August , 2010 um 12:40
Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass du Google von deinem Blog aussperrst. Hättest zwar ein bisschen weniger Traffic, aber dafür Ruhe vor potentiellen Chefs oder so.
3. August , 2010 um 12:41
“(…) Weil Google alles weiß”. Wie wahr. Aber wenn man sich darum sorgen macht, gibt’s ja immer noch die Möglichkeit sich eine zweite, virtuelle Identität aufzubauen. So lässt sich problemlos sagen was man denkt, ohne das es direkt das ganze Umfeld wissen muss. Sobald es nämlich um den Arbeitgeber geht, kann das sehr schnell unangenehm werden.
Was ja nicht heißen muss, das man sich verstellen muss, damit nichts unangenehmes auf einen zurück fallen kann. Denn wie im wahren Leben gilt auch in der virtuellen Welt: Der Ton macht die Musik.
3. August , 2010 um 13:18
@costella ja, c’est le ton qui fait la musique, das habe ich auch gelernt.. :) aber grundsätzlich finde ich es besser, wenn man schreiben kann, was man denkt. das man es nie allen recht machen kann, wissen wir ja alle..
3. August , 2010 um 19:42
Es ist tatsächlich schwer über das zu schreiben was man denkt inkl. Fluchen. Heutzutage muss man übervorsichtig sein und auch ich habe schon öfter Texte geschrieben und sie dann gelöscht. Ich mag es wenn Blogger ehrlich und authentisch sind.
@filonia, Ich habe dein Text gelesen und ich fand ihn grausam. Auf so eine herablassende Art über fremde Menschen zu schreiben ist mir fremd. Würde ich niemals machen, schon alleine weil ich nicht weiss was mir der nächste Tag mir bringen wird. Wer weiss ob du nicht mal in 10 Jahren diese verzweifelte Frau am Telefon bist? Oder eine übergewichtige die sich eine Portion Pommes holt? Und sich dann auf Twitter über die bösen Kommentare auszuheulen ist nicht ganz angebracht.Versteh mich nicht falsch, jeder sollte das schreiben was er will aber dann muss man sich nicht über Kritik beschweren vorallem nicht über persönliche.
4. August , 2010 um 9:05
Hmm….ein Thema das mir auch immer wieder durch den Kopf geht. Allgemein ist es ja so, dass immer das “was denken denn die Anderen über mich?!” die Leute daran hindert sich so zu geben wie sie sind. Andererseits kann man ja tatsächlich nicht so sein und von der “Norm” (die ja gar keine ist) abweichen wegen zukunftigen Arbeitgebern etc….
Auch ich muss mich erst überwinden, den Blog als das zu brauchen was er ist. Nämlich anderen mitzuteilen was mich beschäftigt. Ob das jetzt oberflächlicher Scheiss oder philosophische Überlegungen sind.
Das Problem ist halt, dass das immer nur Momentaufnahmen sind und auch alle im Internet verfügbaren Daten oder Texte kein vollständiges Abbild der Persönlichkeit sind.
Anyway, ich gelobe mich von jetzt an vermehrt das zu schreiben was ich denke ;-)
Ramona
http://wieyepi.blogspot.com
5. August , 2010 um 18:27
Mich beschäftigts!…
Am 23. Juni 2010 habe ich untenstehenden Teil geschrieben und als Entwurf gespeichert. Irgendwie war ich damals nicht bereit diesen sofort zu veröffentlichen. In der Zwischenzeit habe ich einen Artikel bei Claudio Schwarz gelesen und auch kommentiert, …